Sonntag, 19. September 2010

Tramvia in Barcelona - Uralt und ganz modern

Straßenbahnen sind in Spaniens Städten wieder im Kommen, nachdem in den 60er und 70er Jahren die Netze zahlreich stillgelegt und durch Busse und U-Bahnen ersetzt worden waren. Die Renaissance der Tram im nahen Frankreich führte auch in Spanien zum Umdenken. In Barcelona wurden im Jahre 2004 gleich zwei getrennte System in Betrieb genommen, die allerdings gleich firmieren und deren Zusammenführung bereits geplant ist.

Ununterbrochen in Betrieb war die kleine Ausflugslinie „Tramvia Blau“, die Ausflügler und Touristen zur „Tal“-Station der Funicular am Tibidabo-Berg, dem Hausberg Barcelonas kutschiert. Die Linie wurde 1901 in Betrieb genommen, wobei vier Wagen zur Verfügung standen. Von diesen Wagen existiert nunmehr noch Nr. 2, der aber wegen seines Alters und technischer Probleme derzeit nicht zum Einsatz kommt. Die Hauptlast des Verkehrs tragen die vier Wagen mit den Nummern 5, 6, 8 und 10, die allesamt 1903/04 gebaut wurden und damit die ältesten im Linienbetrieb befindlichen Wagen Europas sein sollen.

Bis in die 90er Jahre war die Serie 5-10 noch komplett im Einsatz, Wagen Nr.9 wurde aber dann wegen seines schlechten Zustandes verschrottet. Wagen Nr.7 ist derzeit ebenfalls nicht im Einsatz, er befindet sich seit Jahren in Restaurierung. Neben diesen Wagen kommt an warmen Tagen auch der Sommerwagen 129 zum Einsatz, der so gar nicht ins Bild passt. Seine rote Lackierung und die Linientafel weisen ihn als Überbleibsel der städtischen Straßenbahn von Barcelona aus, die 1971 eingestellt wurde. Sein Fahrgestell ist alles, was vom Wagen 9 übrig geblieben ist. Der Wagen wird auch "La Jardinera" - „Blumenkasten“ genannt.

Wir beginnen die kurvige Fahrt dort, wo sie eigentlich zu Ende ist, an der Station der Standseilbahn auf den Tibidabo. Hier der "Blumenkasten" bereits fertig für die Abfahrt.

Für den Liniendienst, der sich im Sommer täglich, in der Nebensaison nur am Wochenende abspielt, reichen zwei Wagen aus. Das Intervall beträgt 15-36 Minuten.

Hier Wagen Nr.6, der am 12.09.2010 zusammen mit 129 Dienst tat. Ein Bild von der Endstation "Plaza del Doctor Andreu" - der nach dem Gründer der Bahn benannt ist.

Das Stadtwappen von Barcelona ziert alle Wagen der Tramvia Blau, wobei die rot-gelb-gestreifte Flagge die Kataloniens ist.

83 Meter Höhenunterschied muss die Bahn überwinden, was manchmal bedenklich stimmt, aber bisher wohl immer gut gegangen ist. Hier Wagen Nr.6 bei der Abfahrt.


Im Depot warten noch weitere Wagen, hier Nr.7, der inzwischen wohl kurz vor der Fertigstellung steht.

Dass die Bahn in der Straßenmitte fährt ist fast noch untertrieben, manchmal nimmt sie auch die ganze Straßen ein.

Dass die Abschaffung der Straßenbahn ein Fehler war, hatte man in Barcelona bereits in den 80er Jahren festgestellt, nachdem die Luftqualität durch Autos Busse und Motorroller stetig schlechter wurde und das Angebot des ÖPNV allein durch Busse und Metros nicht befriedigend gedeckt werden konnte.

Daher führte man ab 1987 Machbarkeitsstudien über moderne Stadtbahnen durch und 1989 schlug der städtische Verkehrsbetrieb den Bau einer modernen Straßenbahn entlang der breiten Avinguda Diagonal vor. 1997 wurde eine 650 m lange, eingleisige Teststrecke auf dem Mittelstreifen der Avinguda Diagonal eingerichtet, auf der probeweise mit einem ausgeliehenen Straßenbahnwagen aus Grenoble und dem Combino-Prototypen gefahren wurde.

Nach Abschluss der Detailplanungen wurden der Bau der beiden System beschlossen, die den Namen Trambaix (Linien T1, T2, T3) und Trambesòs (T4, T5 und T6) tragen. Das katalanisch-französische Firmenkonsortium Tramvia Metropolità S.A. unter Führung von Alstom gewann die Ausschreibungen für den Bau und den 25-jährigen Betrieb beider Netze. Am 22. Juni 2001 erfolgte der erste Spatenstich für den Bau der Trambaix und am 10. Januar 2003 begannen die Bauarbeiten für die Trambesòs. Beide Systeme wurden 2004 eröffnet. Eine Verbindung der beiden Netze ist bereits vorgesehen und bis 2018 werden auch Verlängerungen vorgenommen.

Derzeit sind insgesamt 37 Straßenbahnwagen im Einsatz, davon 19 auf der Trambaix und 18 auf der Trambesòs. Eingesetzt werden Zweirichtungs-Citadis 302 der Firma Alstom mit einer Länge von 32 Metern.


An der Endstation der Linie T4 Ciutadella, Vila Olímpica entstand dieses Bild von Wagen 12, der am Nationalfeiertag Kataloniens die Flagge des nach Unabhängigkeit von Spanien strebenden Landesteils spazieren fährt.

Auf der Linie T3 ist Wagen 04 unterwegs. Hier ein Bild von der Av. Diagonal.

Rasant sind die Wagen der Tramvia unterwegs. Vor dem neuen Verkehrsmittel warnen diese Tafeln die Fußgänger.


In ihrem südlichen Teil ist die Av. Diagonal von einem modernen Geschäftszentrum, dem "22@" geprägt. Hier Wagen 09 an der Haltestelle "Pere IV".

Zurück im nördlichen Teil der Av. Diagonal und zu Wagen 08, der hier soeben die Haltestelle "Numància" verlässt.

Zum Abschluss noch ein Bild von Citadis Nr. 02, der hier soeben die im Zuge des Straßenbahnbaus neu gestaltete Carrer de Wellington verlässt.

Sonntag, 29. August 2010

100 Jahre Elektrische in Schöneiche

100 Jahre ist es her, dass zwischen dem kleinen Örtchen Schöneiche und der Hauptstadt der Straßenbahnbetrieb eröffnet wurde. Zunächst mit Benzoltriebwagen verkehrte die Linie ab 1914 elektrisch. Zwei Jahre zuvor hatte man sie bis nach Kalkberge (Rüdersdorf) verlängert.
An diesem Wochenende konnte die kleine Tram (14,km lang ist die Linie 88) nun ihren 100 Geburtstag feiern, an den noch vor wenigen Jahren niemand zu glauben wagte. Den Gästen dieses leider recht regnerischen Wochenendes wurden nicht nur die Raritäten der Schöneicher Straßenbahn geboten (Arbeitswagen im Korso, Einsatz des Eigenbau-Vierachsers, offene Türen im Betriebshof usw.). Aus der Museumswerkstatt Frankfurt/Oder, war der historische Triebwagen 60 (Bj. 1936) zu Gast. Hier nun ein paar Eindrücke aus Schöneiche von heute Morgen.

Dieser GT-6 der Heidelberger Straßenbahn (ex Heidelberg 237) kam im Jahre 2006 nach Schöneiche. Mit Baujahr 1973 könnte er zwar auch ein Museumswagen sein, ist aber mit derzeit noch drei anderen Ex-Heidelbergern im Linieneinsatz.

In die Wendeschleife am Bahnhof Friedrichshagen fährt hier der Frankfurter HTW 60 ein. Der Wagen wurde 1936 von der AEG in Wismar gebaut und ist einer von zwei erhaltenen Originalfahrzeugen der 30er Jahre in Brandenburg.


Hier der selbe Wagen bei der Abfahrt in Richtung Betriebshof Schöneiche.

Der heimliche Star der Schöneiche-Rüdersdorfer Straßenbahn ist allerdings TW 73. In eigener Werkstatt wurde dieser Wagen zusammen mit anderen Vierachsern mit neuem Wagenkasten versehen und sieht den Gothawagen dieser Zeit zum Verwechseln ähnlich. Kein Wunder - Teile der Karosse sind tatsächlich aus der DDR-Waggonschmiede.

Ein wuchtiger Anblick - HTW 73 bei der Einfahrt in die Wendeschleife in Friedrichshagen.


Neben den Heidelberger Wagen ist auch der Turmwagen A91 (Bj. 1914) ein "echter Wessi". 1925 kam er aus Krefeld nach Schöneiche und gehört seither hier zum Inventar. Er dürfte einer der ältesten Arbeitswagen in Deutschland sein.

Hier die Reste vom TW 45, der 2005 in einen schweren Unfall verwickelt wurde. Während der zerstörte Teil des Wagens bereits verschrottet ist, dient der erhaltene als Ersatzteilspender.

Der GT-6 Nr. 46 gönnte sich am Sonntag eine Ruhepause. Hier der Wagen vor dem Betriebshof.

Reichlich ausgeruht ist auch der ehemalige Cottbusser KT4D Nr. 18, der in Schöneiche längst nicht mehr eingesetzt wird.

Die Mittel sind knapp bei der SRS, daher harren auch die beiden ältesten Museumswagen seit Jahren der Aufarbeitung. Der historische Beiwagen 20 wurde 1928 gebaut und war zwischenzeitlich auch aufgearbeitet worden. Leider ist er derzeit aber nicht betriebsfähig. In Kürze soll aber ein weitere Anbau die Wagen wenigstens vor der Witterung schützen.

Weitere Informationen zur Schöneiche-Rüdersdorfer Straßenbahn findest Du hier:

wikipedia, srs gmbh und tram88.

Mittwoch, 11. August 2010

Ende des alten Tram-Depots nahe

Der Abriss der Wagenhalle an der Heinrich-Mann-Allee rückt näher. Wie die PNN in ihrer heutigen Ausgabe mitteilt, bewirbt sich die Pro Potsdam GmbH unter anderem mit dem Grundstück des ehemaligen Straßenbahndepots an der Heinrich-Mann-Allee um Gelder aus dem Wohnungsbauförderungsprogramm des Landes Brandenburg. Die Pro Potsdam GmbH will dem Bericht zufolge innerhalb der nächsten vier Jahre 400 Wohnungen auf dem Territorium errichten, wo derzeit noch die Halle des früheren Betriebshofes steht.

Der Betriebshof war am7. August 1935 in Betrieb genommen worden. Ende der 60er Jahre wurde die 10gleisige Freiabstellfläche mit Wendeschleife angebaut. Mit der Inbetriebnahme des neuen Betriebshofes an der Wetzlarer Straße im September 2002, endete die Nutzung der Wagenhalle an der Drevesstraße, wo man bereits im Mai 2002 mit dem Abbau der Anlagen begonnen hatte. Zum 27. November 2002 wurde der Betriebshof stillgelegt.



Hier ein kleiner Blick in die aktiven Zeiten des Betriebshofes an der Heinrich-Mann-Allee.


Freitag, 16. Juli 2010

Combino 409 wieder im Einsatz

Seit fast einem Jahr war Combino 409 nicht mehr in der Stadt zu sehen. Am 29.08.2009 war der Wagen in einen Unfall mit einem PKW verwickelt und daraufhin entgleist. Wie Teilnehmer des Forums "Drehscheibe Online" berichten, ist der Wagen inzwischen wieder im Einsatz.

So sah 409 "Melbourne" noch im März 2010 aus: arg lädiert präsentiert sich die Frontverkleidung, die Kupplung, deren Abdeckung und das erste Drehgestell hatte der Wagen eingebüßt.

Bilder vom Unfall gibt es auf der Seite des
THW Potsdam.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Wiederaufbau des Lindner-Wagens nimmt Formen an

Wie man auf der Seite des Vereins "Historische Straßenbahn Potsdam e.V." nachlesen kann, ist der Wiederaufbau des historischen Lindner-Wagens auf Basis der Lore 311 bereits weit fortgeschritten. Das Fahrzeug, dass sich derzeit bei der Museumsstraßenbahn in Mariazell (Österreich) befindet ist inzwischen wieder mit einem überdachten Wagenkasten versehen. Auch weiterhin sind dringend Spenden für den Wiederaufbau dieses Potsdamer Kleinodes nötig. Weitere Informationen findest Du hier.

So wie hier der Triebwagen 4 am Brandenburger Tor, wird der Wagen nach dem Wiederaufbau aussehen. Welche Nummer der Wagen tragen wird ist noch nicht bekannt.

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Nachtrag vom 01.07.2010: Wie Ivo Köhler, Vorsitzender des Vereins Historische Straßenbahn Potsdam e.V. soeben mitteilte, steht die Nummer des aufzubauenden Wagens inzwischen fest - es wird die 9 sein.