Donnerstag, 10. April 2014

Mit der Tram ins Sperrgebiet - BVG-Bahnen auf Abwegen

 T6A2 5169 und B6A2 5501 auf dem Truppenübungsplatz in Lehnin. Die Spuren der Rettungsübungen sind nicht zu übersehen.

Der Truppenübungsplatz in Kloster Lehnin wurde 1956 unter dem Decknamen „Dunkelkammer“ für die NVA eingerichtet und im Jahre 1984 mit einer Ortskampfanlage („Rauhberg“) versehen. Diese Anlage wird auch von den Feuerwehren und Rettungskräften der umliegenden Ortschaften genutzt, um Rettungseinsätze zu proben. Auch insgesamt drei Straßenbahnwagen (und ein U-Bahn-Wagen) sind auf dem Platz beheimatet. 
Hierbei handelt es sich zum einen um den Rekobeiwagen Nr. 267 213 der BVG und zum anderen um einen Zug aus einem T6A2 (ex BVG 5169) und einem B6A2 (ex BVG 5501). Der Rekobeiwagen wurde bereits 1993 von der BVG an den Busbetrieb Behrendt in Lehnin abgegeben, die diesen später an eine Privatperson in Michelsdorf weiterreichte. Später kam der Wagen als Aufenthaltsraum auf den Truppenübungsplatz, wo er bis heute beheimatet ist. Der Wagen wurde wohl 1963 aus einem B25 (Nr. 536) umgebaut und bekam die Nummer 2034. Ab 1971 wurde in 267 213 umgezeichnet.
Der T6/B6-Zug wurde 2013 an die Bundeswehr abgegeben und auf einem Schienenstück aufgestellt. Während der Triebwagen seine Inneneinrichtung inzwischen verloren hat, ist sie im Beiwagen noch vollständig erhalten. Während jedoch der Rekowagen gut gepflegt wird, dient der Tatra-Zug als Übungsobjekt und ist entsprechend ramponiert.
Der T6A2 mit dem Baujahr 1989 trug anfänglich die Nummer 218 169 und wurde 1992 zu 8169. 1994 modernisiert bekam er seine letzte Nummer, 5169. Der Beiwagen erreichte Berlin bereits 1988 und bekam die Nummer 268 201. 1992 in 8501 umgenummert wurde er ebenfalls zwei Jahre später modernisiert und kam als 5501 nach Berlin zurück. Er ging bereits 2002 außer Dienst.



 Während der Triebwagen seine Inneneinrichtung schon eingebüßt hat, ...

 ... ist sie im Beiwagen noch vorhanden.

Ohne Fahrleitung sicher auch ein sinnloses Unterfangen.

Als Aufenthaltsraum dient dieser ehemalige Berliner Rekobeiwagen. Das Fahrzeug wird gut gepflegt ...

... und ist gemütlich eingerichtet.

So präsentierte sich derselbe Wagen noch im März 1998 auf dem Hof eines Bauern in Michelsdorf bei Lehnin.

Dienstag, 1. April 2014

Variobahn 435 erreicht Potsdam

Wieder einer mehr. Wagen 435 hat gestern Potsdam erreicht.

Bereits in der gestrigen Nacht erreichte Variobahn 435 den Betriebshof der ViP in der Fritz-Zubeil-Straße. In den Morgenstunden wurde der Wagen vom Tieflader abgeladen und auf das Prüfgleis gestellt. Nach der Abnahme wird der Waghen sicher in den nächsten tagen auch im Liniendienst zu sehen sein. Mit der Lieferung von 435 bleiben noch drei Wagen des Typs Variobahn, die die Firma Stadler in diesem Jahr ausliefern wird. Mit Wagen 438 endet dann auch das letzte Lieferlos. Unterdessen wird wegen Kapazitätsengpässen der Einsatz der Tatrawagen auch nach der Lieferung der letzten Varios nicht eingestellt. Noch weitere zehn Jahre werden einige der Wagen in Potsdam zu sehen sein. Der Tara-Einsatz am Wochenende dürfte allerdings bald Geschichte sein. Auch jetzt schon kommt es zu gänzlich tatrafreien  Sonnabenden und Sonntagen.


 

Freitag, 14. März 2014

Ursache für Radprobleme der Variobahn noch nicht gefunden

 Während die Variobahnen seit Wochen wieder rollen, ist die Suche nach der Ursache für die Radprobleme noch nicht gefunden.

Knapp zwei Monate ist es her, dass die ViP fast den gesamten Variobahn-Park wegen möglicher Veränderungen an den Rädern aus dem Verkehr ziehen musste. Wie die PNN in ihrer heutigen Ausgabe berichten, ist die Ursachensuche noch nicht abgeschlossen, man rechne allerdings gegen Ende des Monats mit näheren Erkenntnissen. Da in anderen Städten mit Fahrzeugen des gleichen Typs diese Probleme bisher nicht aufgetaucht sind, kann auch noch immer nicht ausgeschlossen werden, dass das Potsdamer Gleisnetz den Fahrzeugen zu Schaffen macht. Allerdings sind bei den anderen Fahrzeugtypen keine ähnlichen Schäden zu beobachten. Weder bei den rustikalen Drehgestellen der Tatra-Bahnen vom Typ KT4Dm noch bei den Combinos, deren Fahrgestelle denen der Variobahn ähneln, sind Veränderungen festzustellen.

Wegen der fehlenden Ursachen kann auch noch kein Verantwortlicher für den entstandenen, von der ViP jedoch noch nicht bezifferten Schaden genannt werden. Auf die Auslieferung der letzten vier Fahrzeuge hat dies jedoch keine Auswirkung. Sie werden bis Mitte des Jahres in Potsdam erwartet.

Derzeit werden alle Variobahnen nach 3.000 km überprüft und die Räder bei Bedarf neu justiert. Alle Fahrzeuge stehen im Einsatz.

Freitag, 28. Februar 2014

Eine Tram- Rundfahrt durch Szczeczin

Heute gibt es mal wieder einen Blick über den Potsdamer Tellerrand. Diesmal geht es nach Szczeczin in Polen.

Seit 1879 verkehrt in Szczeczin eine Straßenbahn. Anfangs von Pferden gezogen wurde die Bahn ab 1897 von der AEG elektrifiziert. Heute verkehren auf dem 110 km langen Gleisnetz und den üblicherweise 12 Linien sage und schreibe 11(!) verschiedene Wagentypen, die sich allerdings in fünf Grundtypen unterteilen lassen. Der am häufigsten vertretene Wagentyp sind die 73 zwischen 2006 und 2013 aus Berlin übernommenen KT4DtM. Sie werden seit dem letzten Sommer auch in Doppeltraktion gefahren. Weitere 70 Fahrzeuge gehören zum polnischen Standarttyp 105N, der hier in insgesamt vier Modifikationen verkehrt und meist in Traktion eingesetzt wird. Zusätzlich verkehren auch 14 modernisierte 105Na (bezeichnet als ModerusAlfa). Die 52 ehemaligen Berliner T6A2M, die Szczeczin zwischen 2007 und 2010 erreichten sind im Gegensatz zu einigen KT4D noch immer in der BVG-Lackierung unterwegs. Viele der führenden Triebwagen haben ihre Frontkupplung inzwischen verloren und auch fehlten bei vereinzelten geführten Triebwagen die Stromabnehmer.  Das Niederflurzeitalter hat 2011 mit der Lieferung der Pesa Swing Einzug gehalten. In zwei Varianten, die sich durch die Wagenlänge unterscheiden, verkehren inzwischen mindestens 22 der geplanten 28 Exemplare.

Während des Besuches am 24.02.2014 war die Hauttrasse durch die Al. Piastów, die sonst von vier der 12 Linien genutzt wird, wegen umfangreicher Gleisbauarbeiten komplett außer Betrieb. Die Linie 4 war gänzlich eingestellt und viele andere umgeleitet. Hier ein paar Bilder:

Beginnen wir unseren Rundgang durch Szczeczin am Plac Rodła, an dem, wenn ich richtig gezählt habe, alle Straßenbahnlinien zusammentreffen. Es handelt sich um eine große Kreuzung, vor deren Einmündung sich jeweils die gleichnamige Haltestelle befindet. Von der östlichen Seite kommen uns hier KT4D 139 und der in den neuen Szczecziner Hausfarben lackierte 107 entgegen. 

 Unterdessen passiert der Zug aus T6A2 217+218 den Platz von Norden kommend.

Die Haltestelle auf der westlichen Seite verlässt der Zug aus 233 und 234 auf seiner Fahrt Richtung Bahnhof Niebuszewo.

An der Südseite des Platzes Rodła wartet der 105Na 736 mit 737 im Schlepptau auf die Abfahrt ebenfalls in Richtung Niebuszewo.

 Hier begegnet uns der Zug aus 738 und 751 auf der Fahrt nach Gumieńce.

 Vom kurzen Pesa-Typ ist Wagen 809. Er wurde im Januar 2013 in Betrieb genommen.

Wir verlassen nun den Plac Rodła und machen uns auf in Richtung Norden. In der Aleja Wyzwolenia (Allee der Befreiung) begegnen wir an der Haltestelle Rayskiego erneut dem Zug aus 736 und 737.

Nur wenige Meter entfernt kommt uns der Zug aus zwei ModerusAlfa mit den Nummern 505 und 506 entgegen. Er passiert gerade die Wincent-Witos-Platz.

Noch ein paar Meter vor dem Platz ein KT4D Gespann (166+167) neben der Baustelle für den neuen Hanza-Turm. Die historische Werbung am Giebel war jahrzehntelang durch einen Plattenbau verdeckt.

Es ist zwar nicht auf den ersten Blick erkennbar, doch auch dieser Zug besteht aus polnischen Standartwagen vom Typ 105Na. Diese Wagen wurden zwischen 2000 und 2007 von Alstom Konstal auf Basis der 105Na nur für Warszawa und Szczeczin gebaut. Hier das Gespann aus 784 und 785 in der Adam-Asnyk-Straße und der Haltestelle Niemcewicza. 

In einem vom Krieg weitgehend verschont gebliebenen Wohngebiet mit Bauten der Moderne liegt der Bahnhof Niebuszewo. Hier befindet sich auch die Endstation der Linien 2 und 12, die als Blockumfahrung ausgeführt ist. KT4D 156 wartet auf seine Abfahrt.

Die Haltestelle in der Boguchwały-Straße ist ebenfalls Teil der Blockumfahrung. Hier der T6A2-Zug aus 221 und 222.

Wir verlassen den Norden und machen uns kurz zurück auf den Weg in das Zentrum. In diesem Teil der Befreiungs-Allee ist die Bebauung recht dicht und Altbauten wechseln ständig mit Neubauten. Der Zug aus 235 und 236 wartet den Fahrgastwechsels an der Haltestelle Odzieżowa ab.
  
Vor einem Bankenhochhaus präsentiert sich KT4D 107 an der Kreuzung der Pilsudkij- und Matejki-Straßen.

Und noch einmal der zentrale Rodła-Platz. Hier ein KT4D als Fahrschulwagen ...


... und der T6A2-Zug aus 1205+1206 auf der Linie 11 zur Ludowa-Straße.

Eben dort sind wir jetzt auch angekommen. Die mehrgleisige Wendschleife deutet auf die früher große Bedeutung dieser Station hin. Hier stiegen täglich tausende Arbeiter der Werft Stocznia Szczeczinska aus. Heute ist die Firma pleite. Während der Zug aus 738 und 751 auf Fahrgäste wartet ...

... erreicht eine weitere 105Na-Traktion die Schleife. 1027+1028 enden hier jedoch nicht. Sie fahren noch einige Kilometer weiter nach Gocław.

Vor der 1837 erbauten und heute leider ungenuzten alten Mühle (Stara Olejarnia) in der Dębogórska Straße treffen wir auf den Zug aus 239 und 240. 

 Nur wenige Meter weiter trifft dieser Zug auf ein weiteres Pärchen aus ehemaligen Berlinern. 241 und 242 befinden sich auf Fahrschulfahrt.

Der gleiche Zug unterhalb der alten Mühle. Die ganze städtische Szenerie ist beschränkt auf wenige Häuser. Diese jedoch lassen den Eindruck einer Industriestadt um die Jahrhundertwende entstehen.

 Auch 151 passiert die Szenerie. Wir hatten ihn zuvor bereits auf Fahrschulfahrt getroffen.

 So reger Verkehr herrscht in der Wiszesła-Straße nicht wegen der Linienwagen. Das Depot (auf Polnisch "Zajezdnia") Golęcin befindet sich direkt im Rücken des Fotografen ...

... genau wie dieses Prachtstück deutsch-polnischen Kulturaustauschs. Mit Baujahr 1962 gehört der historische Konstal 4N zu den letzten produzierten Wagen seiner Art. Seine Herkunft von den deutschen KSW kann er nur schwer verbergen.

Insgesamt hat Szczeczin noch 11 dieser Wagen im Bestand. Drei davon werden als historische Wagen geführt (Nr. 286 als Exponat im städtischen Technikmuseum) und die anderen als Arbeitswagen eingesetzt. Sie schieden zum Teil erst 1996 aus dem Liniendienst aus.

Die riesige ehemalige Szczecziner Werft ist Hintergrund dieses Fotos, welches an der gleichnamigen Haltestelle ("Stocznia Szczeczinska) entstand. Während die Linie 5 hier wendet, passiert die 6 die Schleife von Gocław kommend in Richtung Zentrum.

 Im Verhältnis zu den Tatra- und Original-Konstal-Wagen bilden die ModerusAlfa eine Minderheit. Hier der Zug aus 507 und 508 an der sehenswerten Feuerwache in der Teofil-Firlik-Straße, von der man hier leider nur den Schlauch- und Trainingsturm erkennen kann.

 Der Plac Grunwaldski ist einer der schönsten Plätze Szczeczins. Mit seiner runden Bebauung vor allem mit Häusern aus der Jahrhundertwende zeugt er von der einstigen Pracht der Stadt. Heute ist der Platz vor allem eine verkehrsberuhigte Oase inmitten des großstädtischen Getümmels.

 Ganz anders der Platz rund um das Hafentor (Brama Portowa, vor dem Krieg Berliner Tor). Das prachtvolle Barocktor ist mit Baujahr 1725-27 noch einmal gute sechs Jahre älter als Potsdams ältestes Tor, das Jägertor. Leider wirkt dieser letzte Rest historischer Bebauung etwas fehl am riesigen Platze. Im Hintergrund die alles dominierende Jakobi-Kathedrale, die 2008 ihren ursprünglichen, im Krieg zerstörten Turmhelm zurück bekam.

Doppeltraktionen aus KT4D sind seit Sommer 2013 Standart in Szczeczin. Zuvor verkehrten die Wagen nur einzeln. Hier der Zug aus 158+159 ebenfalls am Hafentorplatz.

Bevor wir Szczeczin verlassen, hier noch ein Bild des Solo-KT4D 164 vor dem ehemaligen Neuen Rathaus. Das im neogotischen Stil 1875-79 errichtete Gebäude beherbergt heute verschiedene Einrichtungen der Seefahrt.

Mit einem Bild des Zuges aus 105Na 1003 und 1004 am Bahnhof verabschieden wir uns für dieses Mal aus Szczeczin. Do zobaczenia wkrótce.


Donnerstag, 13. Februar 2014

Weitere KT4DM nach Szeged?

 Bald in Ungarn? Angeblich laufen Verkaufsverhandlungen für sieben Potsdamer KT4DM.

Ein Mitglied des Forums "Drehscheibe online" berichtet heute ohne eine Quelle zu nennen, dass die ungarische Stadt Szeged den Ankauf weiterer KT4Dm aus Potsdam plant. Konkret soll es sich hierbei um die Wagen 123, 124, 141, 142, 146, 147 und 162 handeln. Szeged hatte in den Jahren 2004 bis 2009 bereits 13 Potsdamer Fahrzeuge übernommen und noch einmal grundlegend instand gesetzt. Neben den Potsdamer KT4D werden auch Wagen aus Cottbus, Erfurt und Rostock eingesetzt. Der genannte Wagen 124 war bereits 2004 nach Szeged verkauft worden, kehrte allerdings wegen der Combino-Krise noch im selben Jahr nach Potsdam zurück. Derzeit ist er noch mit 123 als Traktion im Einsatz. Die übrigen Wagen sind abgestellt bzw. Reserve. Ein kurzes Comeback erlebten einige von ihnen wegen der Radprobleme der Variobahn im Januar 2014.

Nachtrag von 10:53 Uhr: Nach Hinweis von Adorján Péter (siehe Kommentar unten. Danke!) konnte die Quelle nun ausfindig gemacht werden. Anbei ein Ausschnitt aus dem Vertragsentwurf, der der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt wurde. Das ganze Dokument findet sich hier.


Die Wagen werden für 32.000 - 35.000 € pro Stück verkauft und sollen Mitte April nach Szeged gelangen. Der Verkauf erfolgt über den Potsdamer Zwischenhändler International-Consulting-Handling GbR.