Sonntag, 11. Januar 2015

Urlaubsgrüße aus Portugal - Teil 2: Portos Stadtbahn

Für Straßenbahnfreunde mag die in Teil 1 vorgestellte sehr klassische Straßenbahn sicher interessanter sein, die Metro do Porto jedoch ist, aus Sicht des modernen ÖPNV, eine absolute Bereicherung für die Stadt. Das seit 1999 errichtete, 2002 eröffnete und seither immer wieder erweiterte Netz hat heute eine Größe von 70 km. Davon entfallen 7 km auf Tunnelstrecken und 13 km der Trasse befinden sich in Straßenlage, meist auf eigenem Gleiskörper. Die Basis des Netzes bilden jedoch 50 km ehemalige Schmalspurstrecken der portugiesischen Eisenbahn, die für den Stadtbahnverkehr komplett umgebaut wurden. Die sechs Linien halten an 66 Haltestellen. Für den täglichen Verkehr stehen insgesamt 102 Niederflurstraßenbahnwagen zur verfügung. Dies zum einen sind 72 von Bombardier zwischen 2001 und 2004 gelieferte Wagen des Typs Eurotram und zum anderen 30 ebenfalls von Bombardier produzierte Flexity Swift. Wer mehr zur Metro do Port erfahren will, wird bei Wikipedia fündig. Hier nun meine wenigen Eindrücke der Metro do Port. Ich gebe zu, ich gehöre auch zu den Liebhabern klassischer Straßenbahnen ;). 

Ankommende Fluggäste werden auch am späten Abend noch von der modernen Metro do Porto empfangen. Hier Wagen 060 an der ersten Haltestelle der Linie E "Aeroporto".

In knapp 45 Metern über den Rio Douro rollen seit 2005 die Metrowagen der Linie D über die Ponte de Do Luís I. Die von 1881 bis 1886 errichtete Brücke trug bereits von 1908 bis 1959 die alte Straßenbahn von Porto. Mit dem Neubau der Metro ab 2003 wurde die obere Fahrban der Brücke für den Individualverkehr gesperrt ...

... und nur noch für den Metroverkehr und Fußgänger offen gelassen. Die Höchstgeschwindigkeit für die Stadtbahnwagen beträgt hier 15 km/h, was bei den fehlenden Abspreruungen zum Fußgängerweg auch gerechtfertigt ist.

Wem die Wagen bekannt vorkommen, der sollte den Blick nach Strasbourg richten. Hier sind die Schwesterfahrzeuge der Eurotram bereits seit 1994 im Einsatz. Insgesamt 72 dieser Fahrzeuge sind in Porto unterwegs. 

Hier noch mal ein Blick vom sicheren Ufer auf die beeidruckende Brücke.


An der Haltestelle Jardim do Morro, der ersten auf der anderen Brückenseite treffen wir auf die Eurotrams 059 und 044. An allen Haltestellen gibt es Lautsprecheransagen, die die Ankunft und Fahrziel des nächsten Zuges ankündigen. Diese Stadtseite ist der Teil, in dem der weltberühmte Portwein produziert wird.

Werfen wir noch einen Blick in einen der Metrotunnel und den anderen Fahrzeugtyp der Metro do Porto. In den Jahren 2009 und 2010 erreichten 30 Flexity Swift Porto. Sie werden auf der Linie B eingesetzt, die wir hier an der Station Bolhão treffen.

Als Gegenzug rollt die Eurotram 013 ein. An den Metrostationen wird nicht nur Musik gespielt, sondern auch Kunst ausgestellt. In dieser Station schmückten zahlreiche Fotos einer Galerie ähnlich die Wände (siehe Foto davor).

Mit 051 ging es zurück zum Flughafen. Hier hat der Wagen soeben die Stumpfendstelle erreicht und rollt in wenigen Augenblicken zurück in die Stadt.

Mit diesem Bild vom Empfangsterminal der Station "Aeroporto" endet unser Ausflug zum sehr modernen neuen Straßenbahnbetrieb von Porto. Wir fahren in Kürze weiter nach Lissabon.

Donnerstag, 8. Januar 2015

Urlaubsgrüße aus Portugal - Teil 1: Porto

Den Jahreswechsel habe ich für eine kleine Reise in den Süden Europas genutzt und mir die Straßenbahnbetriebe von Porto und Lissabon angesehen, die auch über Straßenbahnfankreise hinaus bekannt sind. Auch Sintra und Coimbra habe ich bereist, beide Betriebe (Straßenbahn bzw. O-Bus) waren jedoch leider nicht in Betrieb. Es folgt nun der Bericht über die klassische Straßenbahn in der drittgrößten portugiesischen Stadt Porto. Die moderne Stadtbahn wird Thema des nächsten Beitrags sein.

Die Straßenbahn von Porto ist heute kaum mehr als ein Rumpfstück eines einstmals großen Netzes, welches 1949 mit 81 Kilometern und mehr als 20 Linien seine größte Ausbaustufe erreichte. Schon 1895, als erste Straßenbahn Portugals stieg man auf elektrischen Betrieb um. Zuvor hatte es seit 1872 „Huf-Antrieb“ gegeben, jedoch nicht wie bei uns üblich mit Pferden sondern mit Maultieren. Da der Verkehrsbetrieb zum Antrieb seiner Wagen auf die Verstromung von heimischer Kohle setzte, die in nahegelegenen Kohleminen abgebaut wurde, gab es einen erheblichen Straßenbahngüterverkehr. Die Tram fuhr ihre Kohle selbst von den Gruben in São Pedro da Cova mit rund 30 speziell konstruierten Wagen zum Betriebshof in Massarelos. In dem 1915 erbauten Gebäude, in dem sich heute das (derzeit wegen Umbaus leider geschlossene) Museum befindet, befand sich das Kraftwerk der Straßenbahn. Auch für den Transport der berühmten portugiesischen Sardinen gab es spezielle Wagen und neben der Post nutzen auch Dutzende andere Kunden das weitverzweigte Netz für Gütertransporte.

In den 1960er Jahren begann das langsame Sterben der Eléctrico, als die Linien eine nach der anderen durch Busse ersetzt wurden. Waren auf 1958 auf den 81 Gleiskilometern noch 192 Wagen unterwegs, so waren es 1968 bereits nur noch 127 auf 38 Kilometern. 1978 war das Netz auf 21 Kilometer und 84 Wagen geschrumpft und bis 1996 war man bei 14 Kilometern und 15 Wagen angekommen. Neue Fahrzeuge hatten die Verkehrsbetriebe 1952 letztmalig angeschafft doch zum großen Teil war das eingesetzte Wagenmaterial wesentlich älter.

Nach Stilllegung fast aller Linien blieb im Jahre 1996 nur noch die Linie 18 übrig, die im 35-Minutentakt mit nur drei Wagen zwischen Boavista, Foz do Douro und Carmo verkehrte. Ende der 90er Jahre begann jedoch in der Stadtverwaltung Portos ein Umdenken, hatte man doch den touristischen Wert der verbliebenen Linie mit ihren historischen Zweiachsern erkannt. Im Rahmen eines Stadtsanierungsprogrammes begann man mit der Reaktivierung von bereits stillgelegten Streckenteilen.

1999 nahm die fünf Jahre zuvor stillgelegte Linie 1 auf dem Teilstück zwischen Infante und dem Straßenbahndepot in Massarelos wieder auf und wurde 2005 bis nach Passeio Alegre (Foz) verlängert. Seit 2007 gibt es wieder eine durchgehende Führung. Ebenfalls seit 2007 erreicht die Straßenbahn auch wieder das Stadtzentrum von Porto. Nach einer Unterbrechung von 30 Jahren rollt die neu geschaffene Linie 22 von der Endstation Carmo kommend über den Praça da Liberdade bis nach Batalha. Mit diesen drei Linien hat der Straßenbahnausbau in Porto erst einmal sein Ende gefunden. Zwar gibt es weitere Ausbaupläne, die finanzielle Situation lässt eine Realisierung in absehbarer Zeit jedoch kaum zu.

Die zum großen Teil eingleisig trassierten Strecken wurden zum Zeitpunkt meines Besuchs im Dezember von jeweils einem (Linie 18 und 22) bzw. zwei Wagen (Linie 1) bedient im Halbstundentakt. Die Linie 18 bildet das verbindende Element im Netz. An ihren Endstationen besteht jeweils Anschluss zu Wagen der anderen Linien.

Bei den eingesetzten Wagen handelte es sich um Fahrzeuge der Typen Brill 23 und Brill 28. Die Geschichte dieser Fahrzeuge ist relativ kompliziert, da sie oft umgebaut und neu nummeriert wurden. Man kann jedoch festhalten, dass es sich bei den Wagen von Typ Brill 23 um zwischen 1910 und 1912 gebaute Zweiachser handelt, von denen später ein Teil in eigener Werkstatt so verbreitert wurde, dass statt der bisherigen 2+1 eine 2+2 Bestuhlung eingebaut werden konnte. Jedoch wurden nicht nur Brill 23 zu den dann als Brill 28 bezeichneten Wagen erweitert, sondern auch gänzlich neue, identisch aussehende Wagen neu konstruiert. Heute ist kaum noch nachvollziehbar, welcher Wagen neu gebaut wurde und welcher ein Umbau aus einem Brill 23 darstellt.  Deutlich lässt sich jedoch von außen der Unterschied im Wagenkasten ausmachen, der hinter der Plattform unterschiedlich breit ausfällt.

Wir beginnen unseren Rundgang durch Porto an der Praça da Batalha die seit 2007 wieder von der Straßenbahn angefahren wird. Der einzige Brill-Wagen mit schmalem Wagenkasten, TW 131, begegnet uns vor der Igreja de Santo Ildefonso. Die katholische Kirche im Barockstil wurde von 1709-1739 errichtet und trägt an der Fassade die typischen Azulejo-Fliesen. 

Wenige Meter hinter der Praça befindet sich auch die Stumpfendstelle Batalha, die 131 hier erreicht. An der zweigleisig ausgeführten Endstelle besteht direkter Anschluss an den seit 2004 wieder verkehrenden Funicular dos Guindais. Die kleine Bergbahn war zuvor mehr als 100 Jahre (!) stillgelegt.

Nachdem 131 an der Bergstation des Funicular dos Guindais gewendet hat, kommt er uns hier am Nationaltheater wieder entgegen. 


Die zentrale Rua dos Clérigos  ist seit 2007 wieder die Paradestrecke der Straßenbahn Porto. Wagen 131 begegnet uns vor einem der Wahrzeichen der Stadt, der Mitte des 18 Jh. erbauten Igreja dos Clérigos. Der 76 Meter hohe Glockenturm ist der höchste Portugals. 

War 131 bisher auf der Linie 22 unterwegs, so hat er am Nachmittag des 27.12.2014 auf die Linie 18 gewechselt. Im Abendlicht präsentiert er sich vor dem Hospital de Santo António kurz vor der Endstation Carmo.

Rund um das genannte Krankenhaus führt eine große Schleife. Nachdem 131 die Endstation Carmo angefahren hat, macht er sich nun wieder auf den Weg hinunter nach Massarelos, wo er vor dem Straßenbahnhof enden wird.

Tatsächlich liegt Massarelos am Ufer des Rio Douro, auf den man aus den Fenstern von 131 einen wunderbaren Blick hat. Hinter der Mauer geht es jedenfalls steil bergab. 
Der Wagen ist übrigens falsch beschildert. Die Fahrer wechseln die Linienschilder nie aus, so dass wegen der Schleifenfahrt an einem Ende der Linie 22 (Carmo) jede zweite Fahrt falsch beschildert ist.

An der Endtstation Carmo haben die Linien 18 und 22 fahrplanmäßig Anschluß. Hier begegnet 131 seinem Bruder 220. Wir machen uns nun jedoch auf den Weg zur Linie 1 ...

... die unmittelbar unterhalb der Igreja São Francisco aus dem 14. Jahrhundert beginnt. Wegen ihrer überschwänglichen Golddekoration aus dem 17./18. Jahrhundert im Inneren wird sie auch als „Goldene Kirche“ bezeichnet. Ein bunter Knallbonbon wartet hier auf seine Fahrt zum rund fünf Kilometer entferten Foz do Douro (Passeio Alegre).

Unmittelbar nach der Ausfahrt aus der Endstelle Infante passiert 205 hier ein kleines Café, welches den passenden Namen "Tram" trägt (rechts angeschnitten). Überhaupt sind die Museumsbahnen Portugals überall präsent und längst auch ein Symbol des Landes geworden.

Während wir uns zu Fuß auf den Weg nach Passeio Alegre machen, ist 205 natürlich schnelle. Er kommt uns hier in der Nähe des Straßenbahndepots in Massarelos bereits wieder auf dem Rückweg nach Infante entgegen.

Schnell umgedreht und noch ein Nachschuss...

Wiederum auf der Rückfahrt nach Infante treffen wir 205, der parallel zum Ufer des Rio do Douro eine Kaserne des portugiesischen Militärs passiert.

Entgegen den Linien 18 und 22, auf denen jeweils nur ein Wagen unterwegs ist, rollen auf der Linie 1 zwei Brills. Auf einem kleinen autofreien Stück der Uferpromenade kommt uns hier Wagen 213 entgegen.

Und da ist er auch schon wieder zurück. An der Haltestelle Bicalho die zugleich eine Ausweichstelle ist, posiert 213 vor der beeindruckenden Ponte de Arrábida. Als die Bogenbrücke 1963 fertiggestellt wurde, war sie mit 270 m Spannweite die größte Stahlbeton-Bogenbrücke der Welt. Der Fahrbahnträger liegt 70 m über dem Wasserspiegel.

Wieder auf dem Weg nach Passeio Alegre treffen wir 213  kurz hinter dem Largo de António Cálem ...

 ... und ein letzter Blick auf 213 bei der Ausfahrt aus der Endstelle Passeio Alegre Richtung Infante.

 Zurück in Massarelos wartet bereits 216 auf Fahrgäste nach Carmo. Besonders diese Linien wird neben Touristen auch von Einheimischen genutzt. Sie bietet eine staufreie Verbindung in das Stadtzentrum.

Abfahrt Richtung Carmo - Wagen 216 vor der Igreja Matriz de Massarelos. Während die Linie 18 hier links abbiegt, würde die Linie 1 geradeaus fahren.

Auch auf der Linie 22 wird 216 eingesetzt. Unmittelbar am São Bento, dem zentralen Bahnhof Portos rollt er hinauf nach Batalha.

Steil geht es  hinauf nach Batalha. Für die alten Wagen ist das jedoch kein Problem.

Nun noch ein paar Impressionen von der zentralen Haltestelle Carmo. Hier 220 bei der Einfahrt in dieselbe ...

 ... und, nach erfolgtem Anschluss an Linie 18, bei der Ausfahrt.

Kurz vor der Haltestelle Carmo befindet sich die Praça de Gomes Teixeira, die hier 220 erreicht ...

... und die von der prachtvollen Igreja do Carmo dominiert wird. Die zwischen 1756 und 1768 erbaute Barockkirche zeigt ein beeindruckendes Bild aus Azulejo-Fliesen an der Seitenfassade.

 Zwischen dem Justizpalast (links) und dem Hospital Geral de Santo António begegnen wir letztmalig dem Brill 220 auf seiner Fahrt Richtung Carmo.

Noch ein kurzer Blick in die Wagenhalle des Betriebshofes in Massarelos. Da das Straßenbahnmuseum zum Zeitpunkt des Besuches wegen Umbaus geschlossen war, waren alle historischen Wagen in die Wagenhalle ausgelagert und leider nicht zugänglich. Daher hier nur ein paar Schnappschüsse.

Wagen 100 ist ein Nachbau eines offenen Zweiachsers aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Werkstatt des Verkehrsbetriebes hat den Wagen 1995 gebaut. Der originale Wagen brannte 1928 bei einem Feuer im Betriebshof Boavista ab. Daneben lugt 269 hervor, der noch bis 1990 im regulären Einsatz stand. Diese in den 30er Jahren gebaute vierachsige Fahrzeugreihe war anfangs ebenfalls offen und als "Fumista" (Raucherwagen) bekannt.

 Neben dem Linienwagen 216 präsentiert sich Wagen 191. Beide Wagen sind vom Typ Brill 28, 191 wurde jedoch in den Ursprungszustand rekonstruiert. Beeindruckend sind die amerikanischen Fangkörbe.

Zuletzt ein Bild vom Hilfsgeräte- und Rangierwagen 76. Hinter ihm ist auch der Turmwagen 49 zu sehen. Insgesamt verfügt das Museum über rund 30 historische Straßenbahnwagen, von denen ein Teil jedes Jahr an einem Mai-Wochenende in einer Parade durch die Stadt gefahren wird. Im Sommer sind Teile des Museumswagenparks auch auf den Linien im Einsatz.


Wer mehr über die Straßenbahn von Porto erfahren will, sollte sich die nachfolgenden Links zu Gemüte führen, die zugleich als Quellen für den Text gedient haben.

Umfangreiche Informationen zu Wagenpark und Geschichte:
http://www.altrinchamfc.co.uk/opotrams.htm
http://tram-porto.ernstkers.nl/Index.html

Eine detaillierte Wagenparkliste: 
http://www.pospichal.net/lokstatistik/99835-porto5.htm

Netzplan 1968 / 1995:
http://aportanobre.blogspot.de/2013/06/rede-de-traccao-electrica-na-cidade-do.html
http://aportanobre.blogspot.de/2013/05/rede-de-traccao-electrica-na-cidade-do.html

Prachtvolle Bilder aus dem Jahre 1974:
http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,5780478
http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,5781429
http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,5781537
http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,5781088
http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,5780981

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Dienstag, 23. Dezember 2014


tram2000.de wünscht allen Leserinnen und Lesern, sowie allen Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe Potsdam GmbH und den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Potsdam des DVN Berlin e.V. und des Vereins Historische Straßenbahn Potsdam e.V. frohe und besinnliche Feiertage.

Montag, 15. Dezember 2014

2014 - das Straßenbahn-Jahr in Bildern

Das Jahr2014 neigt sich dem Ende zu - Grund genug, einen kurzen Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate bei der Potsdamer Straßenbahn zu werfen.

Vor allem die Variobahnen und die Tatra-Wagen zogen 2014 die Aufmerksamkeit auf sich. Doch während sich die rustikalen Tschechen als unverwüstlich erweisen, haben die Variobahnen auch in diesem Jahr wieder eher negative Schlagzeilen gemacht. Beide Wagentypen stehen hier einträchtig am Platz der Einheit nebeneinander. Am 14. Januar hatte es eine Variobahn zwischen dem Platz der Einheit und dem Alten Markt entschärft, so dass die Bahnen des Nordnetzes in der Zentrumsschleife wendeten.


Bereits im Januar 2014 schien sich der Frühling anzukündigen. Nördlich der Russischen Kolonie rollt Combino 411 jedenfalls schon durch saftiges Grün. Doch weit gefehlt ...

... keine fünf Tage später war die Stadt weiß und - die erste wirkliche Tram-Schlagzeile des Jahres: fast alle Variobahnen abgestellt. Längst abgestellte Tatra-Wagen mussten reaktiviert werden und die jüngsten Geschwister ersetzen. Dass dies zum Teil nur mit Solowagen möglich war, zeigt diese Aufnahme vom KT4Dm 144 am Stadtschloss am 23. Januar.

Am nächsten Tag gelang dieser Schnappschuss vom Solo-KT4Dm 124 vor der Wilhelmgalerie.

Nicht im Linieneinsatz war in diesem Jahr auch Combino 400. Als Schubeinheit für den Schneepflug 312 war er allerdings präpariert und auch unterwegs.

Der Winter ist eine ideale Gelegenheit, um an den historischen Fahrzeugen zu arbeiten. Dies gilt natürlich vor allem für Potsdams ältesten und zugleich jüngsten historischen Wagen. Hier steht Linder Triebwagen Nr.9 seines Fahrgestells beraubt im Februar 2014 im Betriebshof.

Ausgiebig wurde in diesem Jahr auch an den Combinos gewerkelt. Zahlreiche der teilweise seit 1998 im Einsatz befindlichen Wagen erhielten eine Hauptuntersuchung. Hier Wagen 409 ebenfalls im Februar.

Das neue Stadtschloss gehört inzwischen zu Potsdam, als ob es nie weg gewesen wäre. Vor der prachtvollen Kulisse rollt Combino 405 über das Pflaster, welches inzwischen wieder Geschichte ist. Da es den Bussen nicht stand hielt wurde es im Herbst 2014 endgültig gegen Asphalt getauscht.

Wenn die Bäume Ende März austreiben, dann traut sich auch so manch selten gesehener Wagen aus dem Hof. Der Schienenpflegewagen 303 passiert die Baulücke, an der bis 2009 das Haus des Reisens stand und wo ab dem Frühjahr 2015 eine moderene Replik der Alten Post von Unger entstehen wird.

Ungeachtet aller Schwierigkeiten konnte Potsdam im Jahre 2014 auch die letzten Variobahnen in Empfang nehmen. Die Wagen 435, 436, 437 und 438 schlossen die 2011 begonne Auslieferung von 18 Niederflurbahnen dieses Typs ab. Hier der frisch angekommene Wagen 435 im April auf dem Betriebshof.

Und während draußen die Variobahnen eintreffen, werden drinnen die Tatras am Laufen gehalten. Inzwischen ist klar, dass zwölf von ihnen noch weit über 2020 im Einsatz stehen werden. Ob 152 und252 auch darunter sind?

Frühling in Potsdam. Wir begegnen dem KT4Dm-Zug aus 153+253 an der Haltestelle "Friedhöfe". Auch hier wird nichts bleiben, wie es ist: wie im Oktober 2014 bekannt wurde, wird die Landeshauptstadt 50 Mio. zusätzliche Euro in den ÖPNV investieren. Auch die dringend nötige Sanierung der Trasse in der Heinrich-Mann-Allee kann somit 2015 in Angriff genommen werden.

Noch eine Begegnung mit einem seltenen Fahrzeug. KT4Dm 301, der mit seiner Front noch immer an die usprünglichen KT4D erinnert, kommt uns am Platz der Einheit entegegen.

Die beiden vorherigen Bilder enstanden, wie auch die nachfolgenden, von der Plattform des prachtvollen Linder-Wagens von 1907. Das liebevoll restaurierte Schmuckstück war natürlich 2014 auch zu einer Reihe von Fahrten unterwegs. Hier im April 2014 am Platz der Einheit. 

Niederflurbahnen sind seit der Anlieferung der letzten Varios zumindest an den Wochenden die tonangebende Wagengattung auch in Potsdam. Hier eine Begegnung von Vario 432 und 428 am Luisenplatz.

Der Potsdamer Norden erlebte 2014 einen Bauboom nie gekannten Ausmaßes. Inzwischen sind die Linien 92 und 96 immer gut besetzt und der Stadteil wächst. Auch die weitere Tramverlängerung bis zum Campus am Jungfernsee scheint entgültig gesichert und wird für 2018 erwartet. 

Ein letzter Blick von der offenen Plattform des Linder-Wagens. Wieder am Platz der Einheit treffen wir das Gespann aus 161 und 159 auf der Linie 98.

Vor stilgerechter Kulisse präsentiert sich der Lindner am Alten Markt. Sowohl Stadtschloss als auch der Straßenbahnwagen wurden unter Verwendung möglichst vieler authentischer Teile so originalgetreu wie möglich rekonstruiert. Beim Linder ist sogar das Innenleben authentisch.   


Von Tatra-Dämmerung kann in Potsdam (noch) keine Rede sein. Auch wenn sie immer weniger werden, ist doch noch immer eine ansehnliche Zahl der zuverlässigen Fahrzeuge im Einsatz. Nicht alle Fahrgäste sind davon begeistert ...

... und doch bleiben sie in den nächsten Jahren weiter unverzichtbar. Wie hier des Pärchen aus 154 und 254 auf der Langen Brücke.

Noch zwei Jahre und auch Combino 401 ist volljährig. Als ältester der Potsdamer Combinos hat er 2024, wenn die letzten Tatras ausscheiden sollen, seinen Zenit ebenfalls bereits überschritten.

Über solche Lebensgeschichten kann dieses Gespann nur lachen. Mit Baujahren zwischen 1965 und 1969 sind die Gothawagen dieses Zuges natürlich längst in Rente. Und trotzdem lassen sie sich besonders in den Sommermonaten sehr oft in der Stadt sehen. Hier während einer Sonderfahrt im Mai an der Kirschallee.

Die Charlottenstraße ist eine der schönsten Potsdamer Straßen. Hier, wo einst der "Pöbel in Palästen" wohnte, rollt seit ihrer Eröffnung 1907 auch die Straßenbahn. In den letzten Jahren wurden die Bäume, die damals der Tram zum Opfer fielen wieder neu gepflanzt. Es steht der Straße gut - der Combino allerdings auch.

Noch ein Potsdamer Veteran und Unikat: KT4D 001, die Mutter (oder der Vater?) aller KT4D absolvierte 2014 zahlreiche Sonderfahrten. So auch im Juni 2014, als dieses Foto in der Zeppelinstraße entstand.

Auch 2014 wurden neue FahrerInnen bei der ViP ausgebildet. Im Juli 2014 begenet uns der Fahrschulwagen 301 in der Kastanienallee. Gut sind auf diesem Foto die Besonderheiten des Wagens zu sehen, wie etwa die Fahrleitungsbeobachtungskanzel, die fehlenden Türen in der Wagenmitte, die ursprüngliche KT4D-Front und die fehlende Fahrerkabine.

Die Friedrich-Ebert-Straße war die Großbaustelle im Straßenbahnnetz im Jahre 2014. Auf dem bereits erneuerten Abschnitt vor dem Nauener Tor begegnet uns die nagelneue Variobahn 435.   

Nicht nagelneu aber mindestens genauso schick: der Dreiwagenzug aus TW 109 und den BW 214 und 218 im September in der Zeppelinstraße.

Wie oben bereits angedeutet, wurde im Oktober das (zugegeben schöne) Pflaster vor dem Landtag gegen (zugegeben hässlichen) Asphalt getauscht. Für den Zeitraum der Bauarbeiten musste das Straßenbahnnetz geteilt werden. Als Betriebsreserve stehen auf dem nicht genutzten Abschnitt in der Friedrich-Ebert-Straße zwei Combinos und warten auf Einsatz.   

Auch Variobahn 436 erreichte 2014 Potsdam. Hier begegnet uns der Wagen im Oktober am Platz der Einheit.

Genau diese Jahreszeit ist die Hochsaison für den Gleisreinigungswagen 303, der hier aus dichtem Nebel am Hauptbahnhof auftaucht. Abgefallene Blätter und Feuchtigkeit machen der Tram besonders zu schaffen. Da ist Putzen agesagt...

Für den historischen KT4D 001 ist hingegen die Adventszeit Hochsaison. Geschmückt rollt er Sonntags als Glühweinexpress durch Potsdam. So natürlich auch 2014. Hier jedoch noch ohne Weihnachtsbaum.

Und während 001 seine Runden weiter fröhlich durch Potsdam drehte, wird es für andere Wagen wohl keine Zukunft in Potsdam geben. Allerdings präsentieren sich die bereits abgestellten Wagen 123, 124, 141, 144, 150 und 250 im Dezember 2014 noch einmal vor der Halle. Dass sich ein Abnehmer für die Wagen findet, ist nicht ausgeschlossen.

Zum Abschluss noch ein kleiner Blick in die Halle. Im Dezember tummeln sich an einem Wochenende alle Tatrawagen (wenn sie nicht gerade nach draußen verbannt wurden) in der Abstellanlage. Das Wochenende gehört allein Combinos und Varios.