Freitag, 24. Juli 2015

Straßenbahn auf dem Weg nach Krampnitz

Die Debatte um den Tram-Anschluss des neu entstehenden Wohngebietes im Ortsteil Krampnitz bekommt neuen Wind. Wie die PNN in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, stellt ein Gutachten im Auftrag der ViP fest, dass sich die Trasse rechnen würde. Rund 6.000 Fahrgäste würden täglich die Linie nutzen. Ausgangspunkt wäre die ab 2016 erweiterte Strecke von der heutigen Endstation Viereckremise zum Campus am Jungfernsee. Ihre Inbetriebnahme ist für den Fahrplanwechsel im Dezember 2017 vorgesehen.

Vom Campus ginge es parallel zur Bundestraße B2 auf einer Länge von 5,3 Kilometern weiter zum ehemaligen Kasernengelände, auf dem derzeit  rund 1.600 Wohneinheiten durch die Um- bzw. Wiedernutzung des denkmalgeschützten baulichen Bestandes und der Verdichtung mit Neubauten entstehen. 4.000 Menschen sollen hier dann leben.

Kopfzerbrechen bereitet den Planern derzeit die Insel Neu Fahrland, die durch erst kürzlich sanierte Brücken angebunden ist. Nicht alle Brücken sind auch für eine Tramtrasse geeignet. Um einen 10-Minutentakt anbieten zu können, ist eine durchgängig zweigleisige Führung jedoch unabdingbar. Dies wird den Neubau einer eigenen Straßenbahntrasse für eine Fahrtrichtung notwendig machen. Das Gegengleis kann jedoch auf der Autobrücke verlegt werden.

Im Jahr 2025 soll Krampnitz fertig entwickelt sein und die ViP erhofft sich, bis dahin auch den Straßenbahnanschluss geschafft zu haben. Pläne für eine weitere Verlängerung nach Fahrland gibt es ebenfalls. 

Alle Blog-Berichte zu den Planungen rund um neue Linien finden sich unter dem Schlagwort "Neue Linien".

Dienstag, 9. Juni 2015

Linder-Triebwagen rollt wieder

Im Juni wiederfür jedermann erlebbar: Potsdams ältester Straßenbahnwagen aus dem Baujahr 1907. Hier die "Probefahrt" am letzten Samstag.

Die bereits für Mai 2015 angekündigte Fahrt des historischen Linder-Triebwagens von 1907 findet nun am 20. Juni statt. Der Verein Historische Straßenbahn Potsdam e.V. und die ViP laden alle Interessierten ein, einmal das Fahrgefühl aus Großmutters Zeiten kennen zu lernen.

Um 13:56 startet der Wagen zu seiner ersten Runde ab Platz der Einheit (Wilhelmgalerie) zum Schloß Charlottenhof. Von dort geht es um 14:13 wieder zurück. Stündlich verkehrt Wagen Nr.9 dann auf diesem Rundkurs nach Potsdam-West. Die letzte Fahrt beginnt um 16:56 am Platz der Einheit und um 17:13 am Schloß Charlottenhof. 

Fahrgäste zahlen für dieses einmalige Erlebnis 3,00 pro Strecke, wer hin und zurück möchte, zahlt 5,00 €. Unterwegshalte werden nicht bedient.

Den Fahrplan und weitere Informationen rund um das fahrzeug findest Du unter www.historische-strassenbahn-potsdam.de.
 

Montag, 4. Mai 2015

40 Jahre KT4D im Linieneinsatz in Potsdam

Am heutigen 4. Mai jährt sich der Ersteinsatz des KT4D-Prototypen 002 im Liniendienst zum 40.Mal. Ihm folgte zwei Tage später auch der noch heute erhaltene Wagen 001. Damit begann für die Potsdamer eine Ära, die bis heute andauert – die Zeit der Tatra-Wagen.

Schon 1972 entstanden bei der CKD die beiden Prototypen 8001 und 8002, die man zwischen 1973 und 1974 in Prag testete. Als geeignetes Testgebiet für die DDR wurde Potsdam auserkoren. Ab 9. Januar 1975 rollten die beiden nunmehr als 001 (ex 8001) und 002 (ex 8002) bezeichneten Neulinge durch die Stadt. Ab Mai 1975 konnten auch die Potsdamer erstmals die „Tatras“ auf der Linie 2 zwischen Kapellenberg und Bahnhof Rehbrücke  testen. Damals waren sie noch „solo“ unterwegs.  Am 30. Oktober 1975 war die Testphase abgeschlossen und die Wagen wurden in den normalen Linienverkehr eingegliedert. Die Serienproduktion begann 1977 und sollte erst 1997 enden.

Noch immer stehen mehr als ein Dutzend dieser Wagen in Potsdam im Einsatz und zumindest der KT4D-Prototyp 001, der durch den Denkmalpflegeverein Nahverkehr Berlin e.V. betreut wird, kann unbesorgt in die Zukunft schauen.

Das Jubiläum wird später im Jahr auch noch mit einer Sonderfahrt gebührend gefeiert. Näheres dazu natürlich später hier.

Mehr Infos zum KT4D in Potsdam gibt es hier und hier.

Freitag, 1. Mai 2015

Streiks legen ÖPNV lahm

Mit dem Nachtbus durch den 1. Mai. Die Linie N14 ist Teil des Notfahrplanes, mit dem die ViP auf den unbefristeten Streik der Gewerkschaft ver.di reagiert.
 
Mit Betriebsbeginn am gestrigen Donnerstag hat die Gewerkschaft verd.di ihre Mitglieder zu einem unbefristeten sogenannten „Erzwinungsstreik“ aufgerufen. Neben der Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH sind davon auch die Beelitzer Verkehrs- und Servicegesellschaft mbH, die Havelbus-Verkehrsgesellschaft mbH, die Verkehrsbetriebe Brandenburg GmbH und die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming mbH betroffen. Bereist am 29.04. begann der Streik bei der Busverkehr Märkisch-Oderland GmbH, der Busverkehr Oder-Spree GmbH und der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn GmbH. Ver.di begründet diese, in der in der Geschichte Brandenburgs einmalige Art des Arbeitskampfes, mit dem Scheitern der Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) Brandenburg. Nach drei Verhandlungsrunden und zwei massiven Warnstreiks erklärte die Gewerkschaft die Verhandlungen für gescheitert erklärt.

Nach einer Urabstimmung hatten sich danach 93,1% der ver.di-Mitglieder für den unbefristeten Erzwingungsstreik ausgesprochen.

Die Gewerkschaft fordert ein monatliche Erhöhung aller Entgelte um 120,00 € brutto bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und eine Urlaubsbeihilfe, die nur ver.di-Mitgliedern gezahlt werden solle.

Die Arbeitgeber hatten zuletzt einen Mix aus prozentualer Erhöhung und Einmalzahlung angeboten, die 2015 und 2016 jeweils ein Jahresvolumen von 540,00 € umfasst hätten. Eine Regelung, die nur Gewerkschaftsmitgliedern zugutekommt, lehnen die Arbeitgeber hingegen strikt ab.

Die Gerkschaft sieht sich nun im Recht. In ihrer Mitteilung heißt es: „Wir waren kompromissbereit bei der Lohnforderung und auch bei der Frage eines 'Nachteilsausgleiches' in der Höhe eines Betrages oder in Form von zusätzlichen Urlaubstagen. Nun müssen wir einen guten Kompromiss im Arbeitskampf erstreiten.“

Wie zu erwarten haben die Arbeitgeber eine andere Sicht auf die Situation. Die Geschäftsführung der ViP erklärte dazu, sie hätte kein Verständnis „für die Ausrufung eines unbefristeten Erzwingungsstreiks dessen Ursache in der Forderung der Gewerkschaft ver.di nach einer Sonderzahlung ihrer Gewerkschaftsmitglieder liegt, um Mitglieder auf Kosten der Fahrgäste zu werben.“

Mit Unverständnis reagierte auch der Deutsche Bahnkundenverband (DBV): "Es entsteht der Eindruck, dass die Gewerkschaften Tarifauseinandersetzungen auch zur Mitgliederwerbung und Abgrenzung gegenüber Konkurrenzgewerkschaften nutzen. Fahrgäste werden in Geiselhaft genommen - auch wenn Funktionäre dies bestreiten."


Und sie rollen doch: drei Straßenbahnlinien halten eine Grundangebot aufrecht. Hier die 91 am Luisenplatz ...

... und ein Combino der verkürzten Linie 99 kurz vor dem Abbiegen am Platz der Einheit. Er endet hier und fährt zurück nach Babelsberg.

Unterdessen ist es der ViP gelungen, einen Notfahrplan für das Stadtgebiet Potsdam zu organisieren. Im Gegensatz zu den bereist vorausgegangenen Warnstreiks rollen sogar Straßenbahnen. Bedient werden im 20-Minuten-Takt die Linie 91, 92 und 99, wobei die Linie 92 analog zum Spätverkehr auch den Nordast zur Viereckremise bedient. Einzig der Streckenast zur Glienicker Brücke wird durch SEV-Busse im 40-Minutentakt angefahren. Sie verkehren zum Platz der Einheit.

Notnetzplan der ViP. Inzwischen sind an vielen Haltestellen diese Netzpläne angebracht worden.

Rückgrat des Busnetzes sind eigentlichen Nachtlinien N14 und N17, die durch weiter Teillinien ergänzt werden. Die ViP hat alle Fahrpläne und ein Liniennetz auf ihrer Internetseite veröffentlicht und die Netzpläne inzwischen auch an den Haltestellen in Großdrucken anbringen lassen.

Im Einsatz stehen bei der Straßenbahn offensichtlich nur Combino-Triebwagen (mindestens die Wagen 401, 402, 403, 404, 406, 407, 409, 412 und 416). Sie wurden wohl noch vor Streikbeginn aus dem Depot geholt, bzw. nicht wieder eingerückt. Am Platz der Einheit waren am heutigen Vormittag die Wagen 402 und 407 hinterstellt, wobei 402 bereits Opfer einer Sprüh-Attacke wurde. 

 Abgestellte Combinos am Platz der Einheit (407 und 402). Sie bilden wohl die Betriebsreserve.  

Betroffen von den Streikmaßnahmen sind natürlich auch die Sonderfahrten der ViP. So musste die für gestern geplante traditionelle Fahrt der „Hexentram“ zur Walpurgisnacht mit dem HTW 001 ausfallen. 

Freitag, 17. April 2015

Kipplore der Potsdamer Trümmerbahn aufgetaucht

 Hinter dem Alten Rathaus steht seit kurzem das Untergestell einer Kipplore. Es gehörte wahrscheinlich zur Potsdamer Trümmerbahn. 

Passend zum vorherigen Post sei an dieser Stelle auf ein Fundstück verwiesen, welches derzeit hinter dem Alten Rathaus (Potsdam-Museum) zu sehen ist. Es handelt sich um ein relativ gut erhaltenes Untergestell einer Kipplore. Wagen dieser Art gehörten eigentlich zu Feldbahnen, kamen nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch auch als Trümmerbahnen zum Einsatz.  Wie der Förderverein des Potsdam Museums e.V. auf Anfrage mitteilte, wurde die Lore bei den Grabungen im Zuge des Badneubaus am Brauhausberg zutage gefördert. Sie soll später in die Ausstellung des Museums integriert werden.

Gerade im Bereich der völlig zerstörten Altstadt südlich des Stadtkanals lassen sich mehrere Trümmerbahnanlagen nachweisen. So gab es eine Gleistrasse von der Nauener Brücke (etwa auf Höhe des Bildungsforums) über den Steubenplatz zum Alten Markt. Gleise lagen auch in der Straße am Alten Markt und vor dem Alten Rathaus sowie in der Humboldtstraße, in der Scharrenstraße und auch in der Burgstraße. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch in anderen Straßen der Altstadt Gleise verlegt worden sind. Auch im Hof des Stadtschlosses gab es Gleise, so etwa durch das Fortunaportal und die beiden Kutschdurchfahrten und auch vor dem Corpus Logis.

Dieses Bild aus der Sammlung von Lutz Hannemann zeigt einen Zug der Trümmerbahn an der Nauener Brücke. Im Hintergrund die Alte Post am Platz der Einheit.

Alle Anlagen hatten letztlich ein Ziel: das Portal des Palais Barberini, durch welches ebenfalls eine Gleisanlage führte. Die Trümmer aus der Altstadt wurden hier an das Ufer der Alten Fahrt gebracht und in Lastkähne zum Abtransport ausgeschüttet bzw. aufgearbeitet. 

Durch die Reste des Mittelbaus des Palais Barberini führten die Gleise (unten rechts) direkt zur Alten Fahrt.

Die schmalspurigen Gleisanlagen dieser Trümmerbahnen bestanden aus leichten Gleisrahmen, die von zwei Personen getragen werden konnten. Sie wurden ohne Unterbau provisorisch auf der freigeräumten Bodenoberfläche verlegt und hatten keine Weichen. Da viele Bilder stumpfe Gleisenden zeigen, die aus verschiedenen Richtungen aufeindertreffen, ist es möglich, dass flexible Drehscheiben und Kreuzungsstücke zum Einsatz kamen, die leicht umgesetzt werden konnten.

Bei der Potsdamer Trümmerbahn kam mindestens eine kleine Feldbahnlok einfachster Bauart zum Einsatz, andere Loren wurden von Hand geschoben. Nachweisen lassen sich sowohl Kipploren wie die gefundene, als auch Flachwagen für den Transport der bereits gesäuberten Mauersteine.

Über die Herkunft von Lok und Wagen ist nichts bekannt, allerdings liegt die Vermutung nahe, dass sowohl Bahn als auch Gleise möglicherweise aus Ziegelein der Umgebung stammten.  

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle, dass auch die Straßenbahn ihren Anteil an der Entrümmerung der Stadt hatte. Neben der Trümmerbahn halfen auch die Güterwagen der Elektrischen mit, Schutt aus der Stadt hinaus und neues Baumaterial in die Stadt hinein zu fahren.