Donnerstag, 11. Oktober 2012

Schwerer Straßenbahnunfall im Bornstedter Feld

 Zeit zum Abschiednehmen - 155 wird nach dem Zusammenstoß von gestern wohl nicht wieder zum Einsatz kommen.

Zwei Tatra-Züge stießen gestern gegen 14:10 Uhr an der Kreuzung Kiepenheuer-Allee / Georg-Hermann-Allee zusammen. Der Zug der Linie 96 (155+255) näherte sich von der Viereckremise kommend der gut zu übersehenden Kreuzung, während der Zug der Linie 92 (157+257) gerade in Richtung Kirschallee die Kreuzung passierte. Nach Aussage des Fahrers des Zuges der Linie 96 hätten die Bremsen des Zuges versagt. 155 rammte den rollenden 257 und drückte diesen aus dem Gleis. Auch 155 entgleiste. Beim Aufprall wurden zwei Frauen verletzt.
Für beide Wagen sollte dies das Ende bedeuten, ist doch 155 im Frontbereich schwer beschädigt und auch das vordere Drehgestell abgetrennt. KT4Dm 257 hat auf der gesamten Türseite Schäden erlitten, die unter anderen Vorzeichen sicher repariert worden wären. Die ViP hatte allerdings in den letzten Monaten auch schon unbeschädigte Tatra-Wagen verschrottet, da diese sowieso für die Ausmusterung vorgesehen sind. Vielleicht bleibt aber wenigstens ein Zug aus 157 und 255 zurück.

Bilder des Unfalls finden sich auf den Seiten der MAZ und der PNN.

Kommentare:

  1. schade für die wagen aber der 257 ist reperabel ich denk ma er wird sicher noch mal zum einsatz kommen weil sonst ist ja wagen mangel aber hoffentlich bleiben uns 157+255 als zug verband erhalten

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  2. Über die Verschrottungspolitik sollte die ViP durchaus ernsthaft nachdenken, letztendlich beraubt man sich damit des Materials für die anstehenden Zukunftspläne.

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  3. Habe gestern glaube 157+255 zusammen gesehen. Der geführte Wagen war definitiv 255, der Vordere war die typische Biosphäre-Werbung zu erkennen im Vorbeifahren. Echt schade um die Wagen, hätte es nicht nen Vario treffen können *duck und weg*

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  4. Wieder ein schwarzer Tag für die ViP,sie kommen nicht aus den Schlagzeilen .
    Schade um die KT4DM's jetzt wird es aber eng im Wagenpark .

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  5. Wenn man überlegt, was an Neubaustrecken alles im Raum steht, müsste die Vip doch alles daran setzen, jeden KT4DM zu erhalten. Selbst wenn man nur die Fahrgastzuwächse und die Entwicklung durch die zunehmende Einwohnerzahl betrachtet, wird es allein mit den noch kommenden acht Varios eng werden. Da sollten doch alle dankbar sein, dass es die KT4DM noch gibt. Wie stellt sich die Vip denn vor, früher oder später wird man in Bornstedt zumindest auf einem der Äste öfter als im 20-Minuten-Takt fahren müssen. Ohne Fahrzeuge geht das ja nun nicht und wo sollen die denn dann herkommen?

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  6. Es drängt sich hier schon der Eindruck auf, dass sich mit den Verschrottungen die Politik der letzten Jahrzehnte fortsetzt. Das war vor der Wende so und hat sich leider nicht verändert. Das gilt aber nicht nur im Hinblick auf die Fahrzeuge für den Regelbetiereb. Mit historischen Fahrzeugen sieht es ja nicht viel besser aus. Weder wurde aus der ersten Generation ein Fahrzeug erhalten (Htw 9 ist ja nur auf Basis eines alten Fahrgestells wieder aufgebaut worden), noch aus der zweiten Lindner-Generation oder auch nur ein Lowa Fahrzeug oder ein Reko-Zug, von den sonstigen Fahrzeugen die es mal in Potsdam gab ganz zu schweigen. 002 ist der Schrottpresse zum Opfer gefallen, keiner der alten Atw blieb erhalten und wenn man mal weiter denkt, dann fragt man sich, ob es wohl ein KT4DM zum Htw schaffen wird. Wenn man sich mal ansieht, was da bei anderen Unternehmen alles geht, so ist das wirklich kein Ruhmesblatt. Offenbar wiederholt sich Geschichte eben doch.

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  7. Was die historischen Fahrzeuge angeht, so möchte ich hier doch einmal einen Lanze für die ViP brechen. Seit der Wende hat man sich, auch angetrieben von Straßenbahnfreunden, um die Erhaltung eines sehr ansehnlichen Museumswagenparks bemüht. Alles was noch zu retten war wurde zu je einem Expemlar erhalten. Dass kein Lowa-Wagen mehr da ist, ist dem unglücklichen Umstand zu verdanken, dass der Wagen bei der Umsetzung umstürzte. Den 002 auch noch zu erhalten, hätte beim zustand der Wagen sicher einen nicht zu rechtfertigenden Aufwand bedeutet. das beste beider Wagen ist ja nun in 001 vereint (und ein Nullserienwagen noch dazu). Was die Rekos angeht, so sind sie in Berlin, ihrer Heimat gut vertreten. Letztlich hat ma mit dem Wiederaufbau des Lindner-Wagens einen Museumswagen geschaffen, der in Deutschland durchaus einmalig ist ob seiner Detailiertheit. Ein Verkehrsbetrieb ist immer noch ein Dienstleisetr und kein Museum. Sicher wäre KT4D 006 eine Bereicherung gewesen und auch ein KT4Dm würde gut in die Sammlung passen. Beide Wagen leben ja noch, lasst uns doch die Rettung von 006 angehen: wir verschenken einen KT4Dm nach Ploesti und holen 006 zurück. Mit viel Engagement und finanziellem Einsatz wäre das sicher möglich....

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  8. 006 II zurückzuholen ist wirklich eine sehr gute Idee! Auch dass der KT4DM-Gedanke für den historischen Fahrzeugpark aufgegriffen wird, freut mich sehr. Der (meiner Kenntnis nach) letzte Wagen, der orginär nach Potsdam gegangen und noch vorhanden ist, ist 246. Sehr schön wäre es natürlich, eine Doppeltraktion von zwei KT4DM zu erhalten. Schließlich entspricht das ja der üblichen Einsatzpraxis.

    Dass die Vip kein Museum ist, ist natürlich richtig. Es gibt aber Nahverkehrsunternehmen, denen die eigene Historie so wichtig ist, dass sie selbst ein eigenes Museum betreiben. Und dies kann durchaus auch finanziell lukrativ sein. So ist das Münchner MVG Museum sogar ertragreich (Vermietung der Museumshalle für Veranstaltungen). Zudem ist ein Museum immer auch ein Marketinginstrument. Das gilt ebenso natürlich für die historischen Fahrzeuge. Positives Marketing kann sicher für die ViP auch nicht von Nachteil sein. Natürlich wurde mit den vorhandenen historischen Fahrzeugen in Potsdam Gutes geschaffen. Wenn man sich dem Thema historische Straßenbahnfahrzeuge jedoch systematisch nähert, dann wird man sich die Frage nach dem Ziel stellen müssen. Das ideale Ziel wäre der Erhalt/Wiederaufbau der wesentlichen Fahrzeugtypen die in Potsdam fahren/gefahren sind. Wenn man sich von diesem Grundgedanken leiten ließe, dann macht es Sinn, etwas sensibler mit dem Thema Abgaben/Verschrottungen umzugehen. Und das gilt auch für die Zeit seit 1989. Dass in Berlin bestimmte Wagen noch vorhanden sind, kann bei der Frage des Erhalts für Potsdam gerade kein Argument sein. Was 303 III anbelangt, so hätte man die Reste ja nicht gleicht entsorgen müssen. Das gilt auch für 002. Auch der Erhalt eines Skoda 14Tr-O-Busses in Potsdam als Ausstellungsstück wäre verkehrshistorisch angemessen gewesen. (Einen historischen KOM gibt es ja wohl auch nicht?) Viele Wiederaufbauten/Restaurierungen usw. werden erst Jahrzehnte später angegangen (siehe Lindner). In anderen Städten ist das ebenso. Natürlich ergibt sich daraus die unmittelbare Frage nach dem Wohin. In anderen Städten - und da muss man noch nicht mal in die Ferne schweifen - wird beispielsweise beim Bau eines neuen Betriebshofs die Nutzung alter Betriebshofgebäude für historische Fahrzeuge ermöglicht: z.B. Brandenburg/Havel, Frankfurt/Oder. Solche Lösungen wären für Potsdam auch möglich - teilweise sind sie es vielleicht noch immer. Ob dies dann unter dem rechtlichen Gefüge der Vip passiert oder in sonstiger Gestalt, ist eine andere Frage. Wichtig wäre, dass sich dem Thema auch von Seiten der Vip kontinuierlich gewidmet und sich nicht auf den bisherigen Leuchtturmprojekten ausgeruht wird. Möglichkeiten, auch heute noch historische Fahrzeuge zu retten und für Potsdam zu erhalten oder wiederaufzubauen, gibt es nach wie vor. 006 II wäre ein hervorragender Schritt in die richtige Richtung.

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  9. Ein gutes Neues Jahr allerseits. Wollte mal fragen, was denn mit dem Vorschlag bezüglich Rückholung von 006 II ist. Die Idee ist wirklich prima.

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  10. Projekt 006 II

    Ich habe mich mal mit der Frage beschäftigt, wie man das Projekt angehen könnte. Bei systematischer Herangehensweise stellt sich zunächst die Vorfrage, wer langfristig die Verantwortung für das Fahrzeug übernehmen könnte. Grundsätzlich wäre es überlegenswert, dies mit dem Eigentum an dem Fahrzeug zu verknüpfen, das ist aber nicht zwingend. Mit der Klärung dieser Frage ergeben sich in der Folge dann auch Lösungsansätze hinsichtlich Unterstellung, Aufbereitung und Finanzierung.

    A. VORFRAGE DER LANGFRISTIGEN VERANTWORTUNG FÜR DAS FAHRZEUG / EIGENTÜMERSTELLUNG

    Variante 1:

    Die ViP wird langfristig wieder Eigentümer des Fahrzeugs.

    Vorteile:
    Nutzung bestehender personeller, technischer und räumlicher Kapazitäten.

    Nachteil:
    Wenn langfristig das Ziel reifen sollte, einen möglichst vollständigen Park historischer Fahrzeuge zu restaurieren/wieder aufzubauen, so stellt sich die Frage, ob auch langfristig die Platzkapazitäten bei der ViP ausreichen. Dies ließe sich aber ggf. später durch Schaffung neuer Räumlichkeiten klären.

    Variante 2:

    Der Verein Historische Straßenbahn Potsdam wird Eigentümer.

    Vorteile:
    Vorhandener rechtlicher Rahmen durch den Verein (Satzung nicht auf Htw 9 beschränkt). Bestehende Strukturen für Sammlung von Spendengeldern.

    Nachteil:
    Möglicherweise lässt sich das Thema 006 II schneller außerhalb des Vereins Historische Straßenbahn Potsdam umsetzen.

    Variante 3:

    Schaffung eines neuen rechtlichen Rahmens

    Vorteile:
    Unabhängigkeit von bestehenden Strukturen, damit mehr Flexibilität.

    Nachteil:
    Keine (eigene) Abstellfläche für 006 II (diese kann aber womöglich durch die ViP - ggf. auch nur übergangsweise - gestellt werden).

    B. FINANZIERUNG

    I. Feststellung des Finanzbedarfs

    1. Begutachtung des Fahrzeugzustands vor Ort am Fahrzeugstandort
    2. Klärung der Kosten eines Rückkaufs / Tauschs / Rückübereignung per Schenkung
    3. Restaurierungsaufwand für Wiederherstellung in den Auslieferungszustand
    4. Langfristiger Erhaltungsaufwand

    II. Klärung der Mittelbereitstellung

    C. SONDERTHEMA HISTORISCHE FAHRZEUGSAMMLUNG / MUSEUM

    Auch wenn dieser Aspekt aus heutiger Sicht etwas utopisch erscheinen mag, so würde ich diese Überlegung doch noch nicht vollständig zu den Akten legen wollen. Ein solches Gesamtprojekt müsste nicht in einem Stück umgesetzt werden, das erwartet niemand. Allerdings wäre es schade, Chancen, die vorhandenen Lücken im historischen Wagenpark zu schließen, verstreichen zu lassen. Und wenn irgendwo noch alte Wagenkästen in Vorgärten herumstehen, dann würde ich auch dafür plädieren, diese einstweilen zu sichern. Letztendlich gibt es Städte mit wesentlich schlechterer Finanzlage als Potsdam, die sich ein Straßenbahnmuseum leisten. Die Städte leisten dabei meist Unterstützung durch Bereitstellung von Räumlichkeiten (alte Depots). In Potsdam war das bisher leider nicht der Fall. Es ist sicher einen Versuch wert, die Stadt auch diesbezüglich in die Pflicht zu nehmen. Das alte Depot in der Heinrich-Mann-Allee steht ja auch noch. Trotz der Bauvorhaben lassen sich womöglich auch jetzt noch einige Teilflächen zu diesem Zweck retten. Auf jeden Fall macht es Sinn, das Thema zumindest in grundsätzlicher Form einmal der Stadt vorzustellen, damit dort eine gewisse Sensibilität geschaffen wird.

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